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6. hannöverscher Suchthilfetag

Hannover, 7. September 2011

„Shoppen“ – Garantie für den Fortbestand unserer Konsumgesellschaft oder neues Betätigungsfeld für die Suchthilfe?

Spätestens seit der öffentlichen Debatte um Mager-Modells ist bekannt, dass es zur Suchtentwicklung keine Drogen braucht – stoffungebundene Risikoverhalten rücken immer mehr in den Blickpunkt. Schwierig wird die Thematisierung allerdings da, wo sie scheinbar tragende Säulen unserer Gesellschaft berührt und problematisches Verhalten nicht nur Randgruppen betrifft. Man schätzt, dass fast jeder 20. Bundesbürger von einem problematischen Kauf-Verhalten betroffen ist – was einerseits als Sinnbild einer auf Wachstum und privaten Profit ausgerichteten Konsumgesellschaft angesehen werden kann. Auf der anderen Seite führt es Betroffene in eine tiefgreifende Abhängigkeit, die individuelle Lebenswege durch Überschuldung, Zerrüttung sozialer Beziehungen und schwere Begleiterkrankungen zerstört.
Wie reagiert die Öffentlichkeit, wie reagieren die Hilfssysteme? Wer ist zuerst gefragt – Schuldnerberatung und Justiz, oder Suchtberatung und -behandlung? Gibt es Unterschiede bei den Geschlechtern und Altersgruppen, müssen unterschiedliche Hilfestellungen zur Überwindung problematischen Verhaltens bereitgestellt werden?
Der 6. STEP-Suchthilfetag lässt Referentinnen und Referenten aus unterschiedlichen Professionen diesen Fragestellungen nachgehen um herauszufinden, welche Brisanz dieses Thema in Zukunft noch birgt. Speziell zum Thema Jugend und Markensucht wird ein Beitrag Aufschluß liefern. Angesprochen sind nicht nur unterschiedlichste Berufsgruppen aus der Jugend- und Suchthilfe, Schuldnerberatung und Justiz, sondern auch Betroffene, Eltern, Lehrer und interessierte Öffentlichkeit.

Unsere Tagung

Begrüßung, Serdar Saris, Geschäftsführer STEP gGmbH

Grußwort, Hauke Jagau, Präsident der Region Hannover

Grußwort, Sieglinde Zimmer-Fiene, Lindes Selbsthilfe Kaufsucht

Der STEP Suchthilfetag ist eine etablierte Tagung im Netzwerk der Suchthilfe die sich stetig weiter entwickelt. Unser Ziel ist die Vermittlung von fundiertem Wissen an Fachpublikum wie Interessierte aus allen Bereichen. Auch unsere Referenten kommen aus allen Bereichen – immer von dort wo unser aktuelles Thema zu finden ist.

Oniomanie/ Kaufsucht ist ein Thema in der Forschung, der Rechtspflege, der Psychologie, der Soziologie -und dies sind unsere Referenten:


Prof. Dr. Gerhard Raab – Ökonom und Psychologe, Fachhochschule Ludwigshafen

Unkontrolliertes und „süchtiges“ Kaufverhalten: Die Schattenseiten der Konsumgesellschaft

In den letzten Jahren mehren sich die Anzeichen dafür, dass auch das Kaufen, wie das Arbeiten und das Spielen, den Charakter einer Sucht annehmen kann. Ursachen dafür finden sich unter anderem in den heute herrschenden Bedingungen der Konsumgesellschaft. Die Auswirkungen des süchtigen Kaufverhaltens sind dabei vielschichtig und teilweise verheerend, sowohl für die Betroffenen, als auch für deren Familien, ihr weiteres soziales Umfeld und die Gesellschaft. Aus diesem Grund ist ein tieferes Verständnis der Ursachen, der Entwicklung, der Verbreitung und möglicher Implikationen notwendig.

PDF-Datei zum Herunterladen: Suchthilfetag 2011 der Step – Folien zum Vortrag Kaufsucht von Gerhard Raab


RA Tanja Brettschneider – Fachanwältin für Strafrecht

 

Strafrechtliche Folgen der Kaufsucht. Die juristischen Aspekte aus 10 Jahren Praxis – Probleme und Lösungen!

 

Neben psychiatrischen hat Kaufsucht auch juristische Aspekte. Die Klassifikation als psychische Störung entbindet nicht von der Verantwortung in diesem Bereich. Die Konfrontation von Kaufsüchtigen mit der Rechtsordnung findet statt. Überschuldung und nicht bezahlte Ware werden zum Problem, wenn den Ermittlungsbehörden der Nachweis gelingt, dass Kaufsüchtige zum Zeitpunkt der Bestellung wussten, dass sie gar nicht bezahlen können. Kaufsüchtige werden juristisch gesehen in diesem Moment zu Betrügern. Wenn es um die Frage der Schuld geht, haben es die Verteidiger dann schwer, den Gerichten von der Kaufsucht des Mandanten zu überzeugen.


Prof. Dr. Elmar Lange, Universität Bielefeld, Fakultät für Soziologie (i.R.)

 

Kompensatorischen Konsum, Kaufsucht und Verschuldung bei Kindern und Jugendlichen

 

In diesem Beitrag geht es um die Beantwortung der Fragen:

Was verstehen wir unter kompensatorischem Konsum und Kaufsucht?

In welchem Umfang finden wir kompensatorischen Konsum und Kaufsucht bei Kindern, Jugendlichen und Jungerwachsenen und wie hat sich dieses Verhalten in den letzten 10 Jahren entwickelt?

Unter welchen sozialen und individuellen Bedingungen treten diese Kauf- und Konsummuster auf?

Welche finanziellen Folgen (Verschuldung, Überschuldung) lassen sich infolge dieser Kauf- und Konsummustern beobachten?

PDF-Datei zum Herunterladen: Suchthilfetag 2011 der Step – Folien zum Vortrag Kaufsucht von Elmar Lange


PD Dr. med. Dr. phil. Astrid Müller, Psychologische Psychotherapeutin, Psychosomatische & Psychotherapeutische Abteilung, Universitätsklinikum Erlangen

 

Therapieansätze bei pathologischem Kaufen

Während Wirksamkeitsnachweise für eine medikamentöse Behandlung von pathologischem Kaufen ausstehen, haben kontrollierte Psychotherapiestudien gezeigt, dass kognitive Verhaltenstherapie hilfreich ist. Dieses Behandlungskonzept soll unter besonderer Berücksichtigung der psychischen Komorbidität vorgestellt und diskutiert werden.